Vor ein paar Tagen postete eine lokale Zeitung hier, dass die Stadt Stuttgart angeblich rund 240 Bäume in vorauseilendem Gehorsam (wichtige Entscheidungen stehen noch aus) rund um das Gebiet der Wagenhallen – oder auch im Baufeld C1 von Stuttgart 21 – zwischen November 2025 und Februar 2026 fällen möchte.
Auch wenn diese Zeitung dabei das Gebiet B als Symbolbild zeigte, was natürlich ein komplett anderer Bereich ist, muss man befürchten, dass diese Ankündigung doch real sein könnte. Es passt jedenfalls gut ins Konzept von Stuttgart 21 und dessen hier nun angesprochenen Randgebiete, die S21 durch diese Flächen erst wirtschaftlich interessant für die Stadt machten. Dass hier nun wieder einmal vor allen wirklich konkreten Entscheidungen Fakten geschaffen werden sollen.
Heute gibt nach einiger Zeit mal wieder ein „Rund um…“ aus Stuttgart. Da es doch so manches zu sehen gibt und ich Lange keine Bilder mehr gezeigt habe – ist es ein „Rund um den HBF“, ein „Rund um den Mittleren Schlossgarten“, ein „Rund um den Nordbahnhof“ und ein „Rund um den Bahnhof Feuerbach“. Schwerpunkt allerdings Stuttgart 21-Themen.Wer möchte schau auch ins Archiv – allerdings sind es wie erwähnt schon einige Bilder geworden…
Die Stuttgarter Stadtteilgruppe „Nordlichter“ informierte an diesem Wochenende über die Baulogistik-Themen rund um den Nordbahnhof und Stuttgart 21. Ein interessanter Bericht incl. einem Video der Erläuterungen vor Ort findet sich bei cams21.de (link) Bilder von Wolfgang Rüter (link). Dr.-Ing. Hans-Jörg Jäkel erläutert sehr gut verständlich die Baulogistik (auf gut deutsch „Dreck wegfahren“ ) in der geplanten und tatsächlichen Form.
Herr Jäkel geht hier auf ein Detail explizit ein, die Anbindung der geplanten neuen S-Bahn Haltestelle „Mittnachtstraße“. Ich möchte dieses Detail hier noch einmal mit ein paar aktuellen Bildern unterstreichen welche ich diesen Monat erhalten habe. Herr Jäkel erklärt diese komplizierte Kreuzungsstelle zwischen U12, S-Bahn, Baustraße und Wolframstraße im Video an Minute 44:30 und 51:30 und 59:00
Man erkennt hier den Bau des neuen S-Bahntunnels vom HBF zur geplanten Haltestelle „Mittnachtstraße“ und zwar im Bereich zwischen „UFA-Palast“ und Wolframstraße. Wie über genau diesem Bereich sollte eigentlich die Baustraße und auch die SSB-Linie U12 gebaut werden. Bevor die Sbahn nicht fertig gebaut ist und bevor die Wolframstaße nicht verschwenkt ist kann dies aber gar nicht begonnen werden. Wie man sieht ist bisher noch nichts vom S-Bahn-Tunnel betoniert geschweige den an einen Deckel darüber auch nur zu denken.
Immer wieder hört man den Stammtisch-Spruch „Die bauen Stuttgart 21 doch jetzt. Da ist doch bald ALLES Fertig.“ Dipl.-Ing. Klaus Gebhard hat dieses Thema daher einmal in einer einfachen übersichtlichen Grafik dargestellt.
Klaus Gebhard – S21Pegel Stand: Mitte 2014
Zu den Grundlagen dieser Grafik: Christoph Ingenhoven einer der Planer von Stuttgart 21 spricht in Bezug auf den Projektumfang davon das die Tunnel den wesentlich größten Teil der Baumaßnahmen darstellt. Er schätzt Zitat: „weniger als 5%“ also ca. 250 Millionen Euro (Quelle: youtube) Diese beziehen sich nur auf den Rohbau des eigentlichen unterirdisch geplanten Haltepunktes unter der Stuttgarter Innenstadt. Bei den bisher in der Presse bekannt gewordenen Summen, sind die Tunnelbauten also vorrangig das was eigentlich bei der Frage: „Was ist gebaut?“ betrachtet sollte. Die Grafik rechts zeigt die kompletten geplanten Tunnel-Kilometer. Der untere gelb markierte Teil mit 0,4 km sind alles was bisher – nach immerhin 4 Jahren Bauzeit und über 20 Jahren Planungszeitraum – gebaggert ist! (Gebaut ist davon kein einziger Meter „Tunnel“, noch keine einzige Tunnelwand ist bisher wirklich gebaut! Lediglich „Spritzbeton-Wände“ die den Einsturz verhindern sind entstanden) Quelle für diese Zahlen ist übrigens die Deutsche Bahn selbst, Aufgrund einer Anfrage siehe Bild (link)!
Ergänzend möchte ich allerdings nicht verpassen Klaus Gebhard noch in sofern zu ergänzen, dass selbst von dem schräg geplanten Haltepunkt in Stuttgart noch NICHTS gebaut ist! (siehe Bild) Nicht einmal das Leitungssystem des seit Jahren angefangenen Grundwassersystems ist „Fertig gestellt“. Selbst von diesem Haltepunkt – weniger als 5% des Gesamten – gibt es hier bisher maximal den Rohbau eines unterirdisches Nebengebäudes, welches sich unter dem ehemaligen Parkplatz am Nordausgang des Stuttgarter Hauptbahnhofes befindet.
Einen Tag nach der PR-Show (siehe Bericht) öffnet die Bahn ihre Baustelle dem gemeinen Volk. Die ARGE Cannstatter Tunnel macht daraus eine Maschinenschau rund um das Loch. Mehr als die eigens für diesen Tunnel angeschafften brandneuen Maschinen, bleibt auch sonst nicht viel zu bieten. Spricht man die anwesenden Arbeiter / Fachleute und Bauleiter darauf an warum nach 1,5 Jahren Anwesenheit nur 25m „Tunnel“ und ein Loch im Boden entstanden sind, können selbst diese sich ein verschämtes Schmunzeln nicht verkneifen. Eine richtige Antwort bleiben allerdings alle schuldig, es scheint da bremsen Kräfte welche eher mit der Bahn als mit den Tücken des Tunnelbaus zu tun haben.
Selbst das angeschlossene Grundwassermanagement kann noch nicht mit besonderen Leitungen glänzen. Die Pumpen laufen bisher mehr oder weniger im Leerlauf, viel Wasser fiel bisher nicht an heißt es. Selbst die Abfahrt der Erde per LKW läuft noch sehr zaghaft und auf Sparflamme. Bohrt man hier ein bisschen nach hört man das die erhofften, aber bisher immer noch nicht realisierten, Transporte per Schiene wohl deutlich billiger werden als die Abfahrt zur Zeit per LKW. Daher scheint hier wohl das abwarten eher Finanzielle Gründe zu haben. In den ersten 2 Stunden des „Tags der offenen Baustelle“ nahmen übrigens gerade einmal 154 Menschen dieses Angebot wahr.