Archiv der Kategorie: Parkschützer

Samstagsdemo gegen Stuttgart21

Mehr Bilder im Archiv (Link)

Mitschnitt der Demonstration von Eberhard Linckh

Grußwort von Franz Alt (PDF)
Rede von Klaus Gietinger (PDF)

( Alexander Schäfer auf schaeferweltweit.de )

Nachruf von Walter Bubetz auf Magda Bubetz

Magda Bubetz
gestorben mit 95 Jahren, ( 05.03.1924 – 23.04. 2019), Stuttgart
Holzbildhauerin, Künstlerin, wisenschaftlicher Tierschutz, Gründungsmitglied der „Grünen“, Grand-Dame bei „Stuttgart 21″

eine Geschichte zur Wiedervereinigung
von ihrem Bruder Walter Bubetz (75)
aus der Händelstadt Halle (Saale), ehemalige DDR

1989 früh um 7 Uhr. „Die Polizei ist am Apparat!“‚ sagt Elke. „Sollst zum Präsidium am Markt kommen! „ Parkverbot übersehen ? Oder sonst was, was mir nicht einfällt ? Muß das Kind (7) noch in die Schule bringen. Nehme es mit . Kein Mensch weiter im Korridor vor der Polizeitür. Kind macht „Himmelhuppe“ auf den Schachbodenfliesen.
Sitze dann plötzlich vor Oberwachtmeisterin Fischer am Tisch „Sie hatten doch zum 65. Geburtstag ihrer Schwester in der BRD einen Besuchsantrag gestellt ? -„Ja „ antworte ich. „Seit ihrem 60. Aber der ist 3 mal abgelehnt worden.“ „ Wie lange möchten Sie denn fahren ?“ Eine Gesichtslähmung überfällt mich. „Ja, Sie haben Glück! Ihre Schwester in Stuttgart hat direkt an den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker geschrieben und der hat das genehmigt l” — Peng! Ich war weder in irgendeiner Partei oder Staatsnähe. Noch in irgendeiner Beziehung zur Staatssicherheit- Ein einfacher freiberuflicher autarker Künstler, der u-a. Modelle für Carl ZEISS, Jena baute. Halluziniert stotterte ich : „ Na so vielleicht 3 Wochen? Oder was meinen Sie ?“
– „Dann schreibe ich also rein, ab nächste Woche für 3 Wochen I“ – Rumms!
Keiner im Westen kann sich vorstellen, was das bedeutete.
Unser gemeinsamer Vater hatte 4 noch lebende Kinder. Alle im ehemaligen deutschen Oberschlesien in Bielitz geboren. Allerdings mit 20 Jahren Abstand nach geschiedener Erstehe.
Dann tobte der 2. Weltkrieg. Nach Frontdurchmarsch wurde der Vater in einem Lager umgebracht. Magda mit Studienfreundlin schlägt sich abenteuerlich bis Stuttgart durch.
1946 mußte meine Mutter aus zweiter Ehe mit ihrem Säugling und mir als 2jährigem Kind an der Hand innerhalb einer viertel Stunde in einem Viehwagon raus aus der Heimat. Unterwegs wurden die Gestorbenen im Zug rausgerollt.
In Dresden teilte sich der Zug. Die vorn kamen in den Westen. Die anderen blieben in der später gegründeten DDR. Dazwischen erhob sich der „Eiserne Vorhang“. 40 Jahre lang. Keine persönlichen Kontakte.
Dann steht Bruder Walter 1989 am Kopfbahnhof in Stuttgart. Abends sitzen wir im Gartenlokal am Rhein in Bonn. Die Lichter blinken vom Gegenufer rüber. „Da sind doch alle, die mich beobachten ?“
Unvorstellbare Angst. Später: Parteitag der Grünen in der Weser—Ems Halle . Miterleben einer Gerichtsverhandlung in Sachen Tierschutz; irgendwo. Und überall so viele Eindrücke von dem Land,
das es auf unserer DDR-Karte nur als weißen Fleck gab. . .
Und bei Namensverwandten in München sehe ich den Fall der Mauer am 3. Oktober 1989 im Fernsehen! – Brachiale Wucht. Überwältigende Freude. Kein Tag konnte schöner sein.

Nun ist Magda Bubetz tot.
Der Fels in der Brandung ist still geworden. Niemand mehr, den ich noch fragen könnte zu dem was früher war. Eine tiefe Trauer. Die kleine tapfere Kämpferin für die Tiere. Für die Benachteiligten in der
Gesellschaft. Gegen die Arroganz der Mächtigen. Gegen Krieg und Rüstungswahnsinn. Gegen alles was sich an der Natur und gedeihlichem Füreinander vergeht.
Vor einer erloschenen Stimme aus einfachem guten Herzen und so vielseitiger Klugheit verbeugen wir uns.

Danke Dir wunderbaren Schwester
Walter Bubetz


Dieser Brief erreichte mich Sonntag Abend
Ich möchte hier aber dem letzten Absatz einen Link zur  Website wissenschaftlicher-tierschutz.de hinzufügen die Magda Bubetz selbst veröffentlicht hat. Die Stimme mag erloschen sein aber ihre offenen Briefe im Einsatz für  Tiere und anderes hallen so noch weiter nach. 

( Alexander Schäfer auf schaeferweltweit.de )

Fotografischer Nachruf auf Magda Bubetz

An Ostern ist Magda Bubetz (* 05. 03.1924  Bielitz | † 23.04.2019 Stuttgart) von uns gegangen. Sie war immer da, drängte sich aber nie in den Fokus, wenngleich  sie auch immer vorne an der Bühne stand um ihre Botschaft zu zeigen. Jeder kannte Ihr Plakat – es war so einfach wie aussagekräftig und ließ keine Fragen offen:  KOPF BLEIBT OBEN

Sie trug es  immer, egal ob größte Sommerhitze oder im Regen, ebenso konsequent auch im tiefsten Winter und  im Schneetreiben. Ich war ganz sicher nicht auf allen Demos auf denen Magda Bubetz war, aber es waren trotzdem immer noch sehr viele! Um Ihr nun den Platz im Mittelpunkt zu geben habe ich hier nun alle Fotografien rausgesucht.

Mein Beileid den Angehörigen und Freunden.
Kopf bleibt Oben!

( Alexander Schäfer auf schaeferweltweit.de )

Auferstehung im Advent

Es ist Advent – und der gepriesene Wunderbahnhof wird kommen. So verheißt es ein kürzlich spendiertes Großposter der Bahn dem vorbei eilenden Bahnreisenden. Die präsentierte schöne neue Welt ist allerdings nicht nur ernüchternd hässlich, sondern auch mit Merkwürdigkeiten gespickt. Doch was schert es noch den von Verspätungen und Gleisänderungen geplagten Kunden, den geplünderten Steuerzahler, den Bürger Stuttgarts, der nur noch als konformierter Stöpsel den öffentlichen Raum dekorieren darf?

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Totholz auf Abruf

Wegstellbäume verabschieden sich, Teil 2

Im ersten Teil zum diesjährigen Spaziergang im verteilten Schlossgarten hatten wir einen allgemeinen Überblick über den derzeitigen Zustand der Bäume gegeben. Neben weiteren Bildern zu den inzwischen abgestorbenen Bäumen, soll hier ein spezielles Beispiel gezeigt werden, dass für viele Schäden an scheinbar noch gesunden Bäumen verantwortlich ist. Totholz auf Abruf weiterlesen

Aus den Augen, aus dem Sinn?

Wegstellbäume verabschieden sich, Teil 1

Vor fünf Jahren wurde der Mittlere Schlossgarten zerstört. Einige wenige Bäume wurden im Stuttgarter Stadtgebiet verpflanzt. Dabei stand es nicht im Vordergrund, ihre stadtökologischen Funktionen zu erhalten, oder ihren ästhetischen Wert zu bewahren, oder gar neue, qualitativ hochwertige Orte der Erholung und Beschaulichkeit zu schaffen. Es ging einzig darum, eine möglichst hohe Zahl an Verpflanzungen mitzuteilen, völlig egal, wie das Ergebnis dann ausschaut. Bis auf wenige Ausnahmen wurden die Parkbäume zu Straßenbegleitgrün degradiert, also der Art von Stadtmöblierung, die man jederzeit wieder aus dem Weg fällt, wenn ein vermeintlicher Fortschritt daher kommt. Aus den Augen, aus dem Sinn? weiterlesen

Warteraum als „grüne Oase“?

Keine vier Jahre sind vergangen seit die Deutsche Bahn für ihr Immobilienprojekt Stuttgart 21 den Mittleren Schlossgarten abgeholzt, geschreddert und vernichtet hat. Seit dem ist es nicht mehr möglich mit ein paar wenigen Schritten aus dem Südausgang des Stuttgarter Kopfbahnhofes oder auch aus der Arnulf-Klett-Passage direkt unter die alten Parkbäume zu treten.

Vor diesem Hintergrund erscheint es nun enorm bitter und verlogen, dass ausrechnet der sogenannte „Einkaufsbahnhof“ nun mit einem Warteraum mit „grüner Oase“ wirbt.  Bebildert mit Bäumen würde der Raum Ruhe und Entspannung ausstrahlen wirbt die Werbereferentin auf deren Website. Was für ein Hohn und Spott wenn man bedenkt das all dies für viele Stuttgarter einer der Hauptgründe gegen das Sinnlose Milliardenloch Stuttgart 21 war. Wie man unter anderem auf der Seite der Baumpaten heute noch sieht, grenzte der Stuttgarter Kopfbahnhof bis 2012 direkt an eine REALE grüne Oase! Heute bleibt zur Entspannung nur noch ein stickiger Warteraum oder die herunter gekommene  versiffte Passage unter dem Arnulf-Klett“platz“. Vorbei die kühlende Wirkung in den heißen Sommern welche durch das Klima der Bäume und Wiesen entstand, lediglich wenige Schritte vom Querbahnsteig direkt an der Haupthalle des Bahnhofs entfernt.

Wer sich heute im Wartebereich der Deutschen Bahn im Stuttgarter Hauptbahnhof entspannt und dort ernsthaft an Bäume, Wiesen und Felder denkt sollte nicht vergessen wem er verdankt dass dies nicht mehr Realität sondern nur noch billiges Pixelwerk auf Klebefolie und von einer drittklassigen Werbefirma ohne Gespür für die Emotionen der Menschen ist.

( Alexander Schäfer auf schaeferweltweit.de )