In diesen Minuten heist es für Jochen – Einstehen für seine Überzeugungen und das in aller Konsequenz! Neugierig, sagt er, geht er diese sinnlosen zwei Tage an. Er ist gespannt auf die stehts interessanten Erfahrungen die das Leben bringt. Was es dem Staat bringt ihn zwei Tage einzusperren (link), bleibt dagegen weiterhin ziemlich fraglich. Klar ist jedenfalls, er wird sich durch diese sinnlose Strafe nicht überzeugen lassen. Wie in so vielen Fällen in den letzten Jahren, in denen er gegen Stuttgart 21 aktiv ist, zeigt sich auch hier wieder – Argumente gibts keine, also versucht man es halt mal mit Gewalt.
Auch nach drei Jahren der Rodung des Mittleren Schlossgartens ist weiterhin so gut wie nichts geklärt worden. Brandschutz genauso offen wie Nesenbachdükerbau und viele weitere Details wie zb. der „Filderbahnhof“ uvm. Einige Parkschützer fanden sich ein um an diesen Tag der Schande im Jahre 2012 zu erinnern.
Gerald Rollett am 05.09.2011 bei einer Aktion der Senioren gegen S21
Im Laufe der Jahre lernte ich rund um Stuttgart 21 so manche interessante Persönlichkeit kennen. Gerald gehörte ohne Zweifel dazu!
Jeder, der ihn kennenlernte, wird ihn wohl nicht so leicht wieder vergessen. So mancher wunderte sich über die Energie und den Willen dieses Mannes, der stets seine Ziele unbeirrbar im Blick behielt. Er setzte sich wahrlich selbstlos, so gut er konnte, für sie ein. Bestes Beispiel ist hier wohl die Nacht, in der er in einen mächtigen alten Baum im Stuttgarter Schlossgarten kletterte. Er wollte mit diesem Zeichen für den Respekt und den Schutz solch alter beeindruckender Bäume werben. Auch die -13 Grad dieser Nacht beeindruckten ihn dabei nicht.
Leider konnte er seinen „Millenniums-Baum“ damit nicht retten, aber hoffen wir, dass sein Einsatz trotzdem vielen die Kraft gibt, sich für solche Bäume einzusetzen. Alle Bilder hier zeigen seinen Patenbaum (link)!
Gerald, der bei so mancher Menschenkette half, die Kerzen zu verteilen, hinterlies immer bleibenden Eindruck. Eine weitere einprägsame Eigenart war, dass er oft (wenn nicht immer) sockenlos in Sandalen unterwegs war, egal ob bei Regen oder Schnee!
Gerald hat nun seinen Hocker genommen und sich auf den letzten Weg gemacht.
Hier nun gilt wohl erst Recht – Oben Bleiben Gerald!
Bei den Baumpaten bekam er die Nummer 101 (link). Er wuchs bis 2012 direkt am Hauptbahnhof – seit 170 Jahren (ermittelt später am Stamm mit abgezählten Jahresringen). Als die Baumfäller kamen umarmte eine Aktivistin noch einen seiner starken Äste. Sie hatte sich dort festgekettet. Als die großen Bäume um ihn herrum schon fielen wurde der große Ast einfach abgesägt und die Aktivistin abgeführt. Der Baum fiel am 17. Februar 2012.
In Ihm war eine große Mulmhöhle – keiner Interessierte sich dafür das darin viele Juchtenkäferlarven waren. Achtlos wurde sein Stamm mit samt den Larven in den Wald geworfen (link). Erst über 20 Tage später wurden die Larven angeblich geborgen – sagen wir so – sie wurden entfernt. Das Kronenteil bekam „Losnummer 11“.
In diesen Tagen geht sein Leidensweg (link) weiter. Ironischerweise unter den Händen von Thomas Putze. Früher auf der Demobühne – Heute zerlegt gerade er diese Platane. Er (Zitat) „wollte gerne einen der größten Bäume haben“. Er möchte Ihn zu einer Art „dampfbetriebener Lok“ verarbeiten. Anfangs – so erzählt er mir am 09. September 2014 ganz in der Nähe des Bonatzweges an den ettliche Bäume „verpflanzt“ wurden – hatte er geplant den Baum so auszuarbeiten, dass dieser sich am Ende der Ausstellung selbst entzündet und verbrennen sollte. Mittlerweile wäre er aber von diesem Vorhaben abgekommen, da er „eine besondere Energie“ des Stammes spüre… Die Ironie besteht darin, daß gerade er im Jahr 2010 (link) auf der Improvisierten Bühne einer Demo gegen Stuttgart 21 auftrat…
„Komplizen gesucht“ (link) – schrieben die Baumpaten… scheint diese Suche ist zumindest für diesen Baum beendet.
Im Februar 2012 wurden sie gerodet – gefallen für ein Sinnloses Infrastrukturprojekt bzw. ein größenwahnsinniges Immobillienprojekt. Die Bäume im Mittleren Schlossgarten wurden einer Baubrache geopfert, welche bis heute noch größtenteil unverändert und ungenutzt ist. Zwei Jahre lang wurden Dreckhaufen hin und her geschoben und ein paar Rohre zum rosten aufgebaut. Die Bäume wurden entgegen aller „Sprüche“ bei der sogenannten „Schlichtung“ , zuerst gerodent dann größtenteils geschreddert oder als Totholz (inklusive geschützter Juchtenkäferlarfen) in den Wald geworfen. Mit einem kleineren Teil davon wurde eine Show vorbereitet mit der nun am Montag (08.09.14) fortgefahren wird. Gerodet, verrottet und nun öffentlich ausgestellt – Bäume in Stuttgart weiterlesen →
Nicht mehr lange wird es dauern, dann bricht die dritte Vegetationsperiode an. Zum dritten Mal müssen die Einwohner Stuttgarts und die Tiere und Pflanzen auf den Lebensraum im Zentrum der Stadt verzichten. Es ist jedoch ein Verlust auf Dauer, ein Verlust ohne Gewöhnung. Ein Schmerz, der die Verantwortlichen noch nicht betrifft. Noch verharren sie in Sturheit, aber es gibt viele Anzeichen, dass sie allmählich Angst bekommen. Angst vor der Zeit, zu der ihnen die angerichtete Schande auf die eigenen Füße fällt. Die Tat des 15.2.2012 ist in unserem Leben nicht mehr auszugleichen. Aber in unserer Erinnerung lebt der Mittlere Schlossgarten weiter, so sehr man sich auch bemüht, die Fläche und das Umfeld zu verwüsten.