Was machen eigentlich … Die Wegstellbäume von Stuttgart 21?

Zur Erklärung in Kürze: Das Verpflanzen der Bäume bei Stuttgart 21 war ein Versuch, einen verschwindend kleinen Teil des historischen und ökologisch wertvollen Stadtgrüns trotz umfangreicher Bauarbeiten zu erhalten – aus PR, Symbolik. Trotz bedeutender technischer Anstrengungen überlebten aber bis heute nicht alle umgesetzten Bäume, und viele davon vegetieren noch vor sich hin und zerfallen von Jahr zu Jahr immer mehr. Sie wurden faktisch nicht gerettet sondern nur PR-Trächtig weggestellt. Der Hintergrund ist daher eine Mischung aus Symbolischen Schutzbemühungen, politischen Kompromissen entstanden in der sogenannten „Schlichtung“ und den realen Grenzen im Umgang mit gewachsenen Stadtbäumen.

Aus dem gelebten Widerstand gegen Stuttgart 21 entwickelten sich in den Jahren vor 2012 viele kleinere Aktionen – darunter auch die Baumpaten, bei denen sich Bürger sowohl digital und monetär als auch vor Ort für einzelne Bäume starkmachten, sich einsetzten und sich bei der Parkräumung 2012 dann auch an die Bäume ketteten. Einige wenige dieser Bäume (62) fielen dann letztlich auch der oben Erklärten fragwürdigen PR‑Aktion zum Opfer und wurden im Großraum Stuttgart meist an Friedhöfe oder an den Stadtrand weg gestellt. Durch die Breite Bewegung gegen das Projekt wussten wir aber schon wenige Stunden nach den Aktionen wo diese Bäume zum Vergessen abgestellt wurden – teils waren wir sogar noch vor dem Baum selbst vor Ort und dokumentierten selbst die unsachgemäßen Löcher die keinerlei Fachliche Vorbereitung genossen hatten weil es schnell gehen sollte. dieses Jahrelange Siechtum verfolge ich nun schon  dreizehn Jahre und ich muß sagen – die meisten Bäume wären sicher lieber direkt gefällt worden – das wäre humaner gewesen als dieser schon lange von der Öffentlichkeit vergessene PR-Witz. 24 Davon haben es mittlerweile hinter sich und jährlich werden weitere davon fallen.

Aber schauen wir doch mal im Detail den aktuellen Stand im Jahr 2025 an. Abgestellt am Rande von Stammheim direkt an den Mauern der Justizvollzugsanstalt waren fünf Kastanien von denen mittlerweile eine eingegangen ist.

Auf dem Friedhof Zuffenhausen wurden elf Bäume begraben und drei davon sind mittlerweile eingegangen. Beim Götterbaum vom Nordflügelparkplatz (der direkt an der Schranke stand) scheint allerdings ein neuer Baum auszutreiben und so wie es aussieht lassen die Friedhofsgärtner ihn auch wachsen.

Im Tapachtal stellten sie acht Bäume weg

Auf der Feuerbacher Heide wurden 17 Bäume zum Sterben abgestellt; mittlerweile sind auch neun dieser Bäume eingegangen, denen man schon vom ersten Jahr an ansah, dass sich niemand mehr um sie kümmerte. Der sehr trockene Standort der Magerwiesen war denkbar schlecht geeignet für diese Bäume, die aus einem völlig anderen Habitat entrissen wurden. Keiner der jetzt noch dort stehenden Bäume sieht so aus, als ob er die nächsten Jahre überleben wird.

In Bad Cannstatt am Rande der Stadt wurden zehn Bäume der Vergessenheit übergeben.  Einer davon ging mittlerweile ein.

Im Unteren Schlossgarten stehen zwei weitere Bäume – einer davon hat es schon fast hinter sich.

Im Mittleren Schlossgarten standen zwölf der verpflanzten Bäume, drei davon haben mittlerweile das Zeitliche gesegnet.

In Steinhaldenfeld standen mal sieben dieser Bäume auf dem abgelegenen Steinharten trockenen Randstreifen, nun sind noch vier übrig die aber nicht aussehen als ob sie das noch lange mitmachen.

Die acht Bäume auf dem Gelände der Stadtgärtnerei am Fasanenhof haben wahrscheinlich noch die beste Versorgung, aber im Gegensatz zu allen anderen stehen sie nicht öffentlich zugänglich, sondern auf einer Brachfläche neben Schuttbergen und Steinhaufen. BTW: Hier lagerten über die Jahre auch einige Kunstwerke aus dem Mittleren Schlossgarten Die Reste des Fitz-Faller-Brunnens und das Farbraumprojekt von Georg Karl Pfahler – heute steht dort nur noch „Schichtung 107 / Stuttgarter Tor“ von Thomas Lenk und rostet ungepflegt vor sich hin.

Weitere fünf Bäume wurden auf dem Friedhof auf der Dornhalde vergraben, und drei davon sind schon eingegangen. Die letzten verbliebenen sehen nicht wirklich gut aus und werden von Buschwerk und Brombeeren überwuchert. Damit folgen diese Bäume einer Stuttgarter Tradition –> auf diesem Friedhof wurden schließlich mit Baader, Ensslin, Raspe und Meyer schon viele unbequeme politische Probleme „entsorgt“. Und damit endet unser kleiner Rundgang überraschend politisch, wobei er Im ebenso berühmten Gefängnis in Stammheim startete in welchem diese genannten RAF Terroristen inhaftiert waren … diese speziellen Details, fast alle Standorte sind Friedhöfe oder Brachflächen oder Stadtränder und fast alle ungeeignet für diese Bäume … alles Zufälle?  Darüber  mag  jeder  selbst  Urteilen.

Schaut bitte auch mal die alten Texte an: Hier schrieb Jochen Schwarz auf Baumpaten-Schlossgarten.de im Jahr 2013 darüber und hier Schrieb er im Jahr 2017 in meinem Blog seine Fundierten Ausführungen dazu auf.

Noch mehr Details aus dem Jahr 2025:
Friedhof auf der Dornhalde
/ Feuerbacher Heide / Friedhof Zuffenhausen / JVA Stammheim / Mittlerer Schlossgarten / Stadtgärtnerei am Fasanenhof / Steinhaldenfeld / Bad Cannstatt / Tapachtal / Unterer Schlossgarten

Bilder aus dem Jahr 2023:  Bilder
Aus dem Jahr 2017: Dornh./Feu/Zuff/JVA/MSG/Fas.hof/Steinh./BC/TapTal/USG
Aus dem Jahr 2015: Dornh./Feu/Zuff/JVA/MSG/Fas.hof/Steinh./BC/TapTal/USG
Aus dem Jahr 2013: Dornh./Feu/Zuff/JVA/MSG/Fas.hof/Steinh./BC/TapTal/USG
Aus dem Jahr 2012: Dornh./Feu/Zuff/JVA/MSG/Fas.hof/Steinh./BC/TapTal/USG

( Alexander Schäfer auf schaeferweltweit.de )