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Die Stadtbibliothek Stuttgart nach 14 Jahren

Die Stadtbibliothek Stuttgart, entworfen von Yi Architects, ist ein architektonisch markantes, monolithisches Bauwerk, das im Volksmund allerdings auch spöttisch als „Bücherknast“ bezeichnet wird. Dieser Spitzname bringt die Kritik an der äußeren Gestaltung auf den Punkt: Der graue Betonwürfel mit seiner strengen Symmetrie wirkt abweisend und erinnert mit seiner Rechteckigen Fassade mit Glasbausteinen eher an einen Gefängnisbau als an einen einladenden Ort des Wissens. Die Fassade schirmt das Innere sichtbar von der Außenwelt ab, was dem Gebäude den Charakter einer Festung verleiht und in der Stadt mit der Justizvollzugsanstalt „Stammheim“ verglichen wird. Die klare, fast schon minimalistische Architektur verleiht dem Bauwerk eine gewisse Massivität, die sich in einer Zeit, in der transparente und abwechslungsreiche Formen gewünscht sind, sperrig und kalt anfühlen kann.

Stadtbibliothek Stuttgart | Yi Architects©2025 Alexander Schäfer
Stadtbibliothek Stuttgart | Yi Architects | ©2025 Alexander Schäfer

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Die Geschichte des Stuttgarter Hauptbahnhofes von 1846 bis 2010

„DIE KUNST, NICHT DERMASSEN REGIERT ZU WERDEN“ hies eine Ausstellung mit Worskhops welche vom 28. November 2010 bis 09. Januar 2011 im Württembergischen Kunstverein statt fand. Die Ausstellung verstand sich als Archiv, Dokumentation und als künstlerische Gesamtinstallation, die den Spuren des Widerstands gegen das Verkehrs- und Immobilienprojekt „Stuttgart 21“ folgt. Dafür wurde in der Ausstellung unter anderem auch ein Archiv erstellt welches sich aus Texten, Materialien, Ausstellungstücken sowie auch digitalen Datensammungen zusammen setzte. (Das Gesamtkonzept im Detail erklärt: PDF / Originalquelle: LINK)

Ein bemerkenswerter Teil dieses Archives war auch eine Timeline welche sich von 1846 bis ins Jahr 2010 erstreckte.  Diese war auch ein Bestandteil der Kunstaktion „Unser Pavillon“ welche direkt im Mittleren Schlossgarten bis zur letzten freien Minute stand bis dieser dann nicht mehr öffentlich und  im Jahr 2012 für das Immobilienprojekt Stuttgart 21 zerstört wurde.

Zitat „Die Timeline ist eine tabellarische Auflistung, die den Versuch unternimmt, sämtliche Planungsschritte, Kommunikationsformen und Handlungsabläufe in eine chronologische Ordnung zu stellen. Hier zeichnet sich ein deutlich anderes Bild des Widerstands ab, als das der kurzweiligen Reaktion auf symbolische Akte. Er war ebenso kontinuierlich  präsent, wie die Planungsgeschichte zu „Stuttgart 21“ lang ist.“

Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Yvonne P. Doderer darf ich diese nun nach rund 10 Jahren auch hier online stellen.

1846
Inbetriebnahme erster HBF Stuttgart (Centralbahnhof), Schloßstraße (heutige Bolzstraße)

1914
Grundsteinlegung für neuen HBF Stuttgart, Architekten Paul Bonatz und Friedrich Scholer Die Geschichte des Stuttgarter Hauptbahnhofes von 1846 bis 2010 weiterlesen

Bibliothek21 – was ist das?

Der Würfel steht mitten auf dem ehemaligen Güterbahnhof. Von einzelnen Stuttgartern wird er aufgrund seines Erscheinungsbildes „liebevoll“ als „Stammheim II“ oder „Bücherknast“ bezeichnet. Geplant wurde er vom südkoreanischen Architekten Eun Young YiDas Gebäude der Stadtbibliothek Stuttgart präsentiert sich als markanter Würfel, dessen Seiten präzise nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet sind. Diese geometrische Klarheit spiegelt sich auch in der Gestaltung der Eingänge wider: An jeder der vier Seiten befindet sich ein gleichwertiger Eingang, wodurch das Konzept der Gleichberechtigung aller Himmelsrichtungen unterstrichen wird

Die innere Struktur des Gebäudes folgt konsequent diesem Prinzip. In jeder der vier Seitenflächen ist ein Aufzug und ein Treppenhaus integriert, was eine symmetrische und funktionale Erschließung des Gebäudes von allen Seiten ermöglicht.

Ein besonderes architektonisches Merkmal, das die Ausrichtung des Gebäudes zusätzlich betont, ist die Beschriftung der Fassade. Der südkoreanische Architekt Eun Young Yi hat das Wort „Bibliothek“ in vier verschiedenen Sprachen auf die jeweiligen Fassadenseiten anbringen lassen:

  • Auf der Nordfassade steht es auf Deutsch
  • An der Westseite auf Englisch
  • Die Südfassade trägt die arabische Übersetzung
  • Auf der Ostseite ist das Wort in koreanischer Sprache zu lesen

Diese viersprachige Gestaltung der Fassade unterstreicht nicht nur die globale Ausrichtung der Bibliothek, sondern auch die Verbindung zu den jeweiligen Sprachräumen in den entsprechenden Himmelsrichtungen.

Der 35 Meter hohe „Kristallwürfel“, wie er oft genannt wird, besteht aus Glasbausteinen und verfügt über eine begehbare Doppelfassade. Dieser Zwischenraum ermöglicht es den Besuchern, die Grenze zwischen Innen- und Außenwelt auf einzigartige Weise zu erleben.

Das Innere der Bibliothek zeichnet sich durch drei charakteristische Bereiche aus:

  • Die Bibliothek: Ein Atriumraum mit Galerien, die von Bücherwänden gesäumt sind.
  • Der kontemplative Raum: Ein introvertierter Zentralraum mit Oberlichtern.
  • Das Forum: Ein stufenweise eingesenkter Saal

Diese durchdachte Raumaufteilung schafft verschiedene Atmosphären für unterschiedliche Nutzungszwecke und unterstreicht die Multifunktionalität des Gebäudes.

Im Kern des Gebäudes befindet sich ein aus Brandschutzgründen zweigeteilter „Innenhof“. Im unteren Teil dieses Würfels wird das diffuse Licht einen Raum der Entschleunigung bilden, in welchem nichts außer Ruhe sein wird. Im oberen Würfel werden Bücherregale stehen, und das große Oberlicht (in meinen Bildern noch nicht erkennbar, da während der Bauzeit abgedeckt) wird die Sonne ins Gebäude leiten.

Nachdem das äußere Erscheinungsbild des Baus in schwere Kritik geraten war wird nun darüber nachgedacht die Fassade aufzuhellen. Dazu ist interessant zu wissen das auch das Innere des Gebäudes konsequent in diesem auch außen beherrschenden Grauton ausgeführt wird – vom Boden über die Geländer bis hin zu den Sanitären Einrichtungen.

Zum Großen bedauern des Künstlers war es technisch nicht möglich auch in den WC Bereichen die Decken mit grauen Fliesen auszuführen da er auch dort überall den Eckigen Stil weiter führen wollte.

Mittlerweile beteiligen sich sogar schon Bürger an der zumindest virtuellen Verbesserung der Bibliothek21:
http://www.fakeblog.de/2011/04/07/putte-und-der-stuttgarter-bauburgermeister-hahn-abstimmung-unerwunscht/

Aktuell rückt der Bau aufgrund einer Aktion von RobinWood und Parkschützern gegen Stuttgart 21 wieder in den Fokus der Öffentlichkeit.

Bilder zum Gebäude im Archiv: Link
Bilder der Eröffnung im Archiv: Link
Bilder zur RoWo Aktion im Archiv: Link
Allgemeine Infos auf Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Bibliothek_21