Petitionen und Appelle – das Opium im web2.0 fürs Volk!

Wer kennt sie nicht? Die heute so beliebten Online-Petitionen.
Leider versprechen sie stehts viel (vor allem Hoffnung) aber Ändern letztlich in den wenigsten Fällen wirklich Irgend Etwas. Neben vielen ernsthaften Anliegen die erstaunliche Zustimmung erhalten, schneiden selbst „Fun-Petitionen“ wie die berühmte „Backpfeifenpetition“ in unglaublichen Höhen ab. Auch das mindert allerdings im erheblichen Maße die Ernsthaftigkeit solcher Mittel. Letztlich zeigt sich in vielen Fällen, bei denen es um wirklich wichtige Dinge geht, daß diese Form der Meinungsäusserung nur eine kleine Argumentationshilfe für damit verbundener PR bietet aber nicht wirklich etwas bewegen kann.

Screenshot - Internet
Screenshot – Internet

Ähnlich sehe ich es auch bei einer aktuellen Petition zum Thema Stuttgart 21. Gestartet am Morgen des 27.02.13 finden sich innerhalb weniger Stunden bereits um 18 Uhr über 53.000 Unterzeichner der Petition. Klar schadet es nichts – unterschreiben ist bei dem Thema nur Formsache für Vernünftige Menschen. Aber wer denkt das dies Irgend etwas bewirken wird täuscht sich gewaltig! Unzählige Petitionen, Appelle und Unterschriftensammlungen wurden über die Jahre schon bestritten und zeigten teilweise unwahrscheinliche Mengen an Unterstützer auf – doch letztlich wurden alle von der Politik ignoriert oder belächelt. Unzählige Menschen ließen sich durch die eigenen Hoffnungen enttäuschen und demotivieren. Unbekannt auch die Zahl derer dessen Engagement dadurch gebremst wurde das „man ja nun etwas getan hat“ oder „nun ja nichts mehr schief gehen kann“, genauso wie die Zahl der ungültigen Stimmen oder der Stimmen die von irgend welchen „ich klick halt mal weils gut ist“ Menschen kommen welche dann Hoffnungen auf Menschenmengen wecken welche aber letztlich nur virtuelle Zahlen sind. Genauso unbekannt ist die Zahl derer die durch die „das mußt du unterscheiben“ Aufforderungen sich genervt vom eigentlichen Thema abgewendet haben!

Wie gesagt es geht mir nicht darum zu sagen „diese“ Petition ist schlecht oder zu sagen „jene“ macht keinen Sinn. Aber die letzten Jahre in denen ich diese Entwicklungen beobachtet habe (zugegeben im Schwerpunkt beim Thema Stuttgart 21), zeigten das die Gefahr sich dabei viel zu viel selbst Vorzumachen extrem hoch ist! Wesentlich höher jedenfalls, als die Wirkung (PR-Technischer Art und meist mehr oder weniger geschickt von den Initiatoren umgesetzt) welche solche Petitionen letztlich erzielen. Unterscheiben – Klar nur zu! – aber bitte nicht viel drauf geben sondern lokal Aktiver werden!

Aktuell betreibt die DB die Taktik -> GWM-Testphase um jeden Preis so schnell als möglich starten und Tunnelbauten egal wie sinnlos sie sind -> schnell Anfangen! Dafür werden täglich Bäume gefällt, Rohre verlegt, GWM-Brücken gebaut, Betonwerke errichtet, ein sehr fragwürdiges GWM3 erstellt (meiner Ansicht nach in einem 10. Planänderungverfahren enthalten welcher noch lange nicht genehmigt ist sondern gegen den es tausende unbeantwortete Einsprüche gab!), Arbeitersiedlungen für hunderte Arbeiter errichtet usw. Das alles im Schatten eines öffentlich künstlich hochgepuschten Kosten-Themas welches nur ablenken soll!

Da werden Jahre alte Fakten endlich zugegeben (die DB gibt übrigens ziemlich genau die Kosten zu, welche der Bundesrechnungshof errechnet hat! Oh Wunder mehr soll es angeblich nicht werden…) und Politiker welche in ihrer Vergangenheit sehr aktiv im Thema waren (also informiert sind), geben sich Angesichts dessen „überrascht“, „extrem überrascht oder gar „Außerordentlichkeit Empört“ (es darf gelacht werden so man es noch kann). Es wird in allen Altmedien, die Jahrelang alle Augen incl. Hühneraugen verschlossen haben, kräftig auf den Busch geklopft und Literweise Seifenblasen geblasen. Letztlich geht es aber „nur“ um (unglaublich viel verschwendetes) Steuergeld, welches sowieso nur aus einer Tasche kommt! Egal WER (Stadt/Land/Bund/Bahn) es letztlich bezahlen wird (und irgend jemand WIRD es bezahlen) die Quelle des Geldes wirst DU sein! Eben jeder Steuerzahler oder Bahnfahrer persönlich!

Daran wird auch die Abwahl einer Kanzlerin, welche Wahnhaft und nicht Nachvollziehbar am Bahnsinn21 festhält, nichts ändern! Keine Frage sollte die CDU nach etlichen riesigen und undenkbar geglaubten Wahlniederlagen, nun auch verdientermaßen diese letzte Bastion verlieren, würde es viel bringen! Aber siehe oben – das im PFA geforderte erste Jahr GWM-Testbetrieb wird dann beendet sein! Die erste Tunnelmaßnahme zwischen Nordbahnhof und Cannstatt (wir erinneren uns -> das „Bad“ blieb schon auf der (Bahn)Strecke) wird begonnen sein und auch der letzte Baum der für diesen Sinnlosen Wahnsinn fallen soll wird gefallen sein. 

Empört Euch! Unterschreibt von mir aus aber wichtiger – Steht auf und Engagiert euch! 

( Alexander Schäfer auf schaeferweltweit.de )

Dringende Empfehlung auch zu eben diesem Thema – Politische Matinée mit Arno Luik

Ergänzende Links speziell am Beispiel „Avaaz“
„Was ich von Avaaz halte?“
„Ihr werdet’s nicht vermuten – „Avaaz“ sind nicht ‚Die Guten'“
„Wer steckt hinter Avaaz?“
„Was Sie über die Kampagnenorganisation wissen sollten, bevor Sie klicken“

0 Gedanken zu „Petitionen und Appelle – das Opium im web2.0 fürs Volk!“

  1. Ich stimme Dir zu was die lokale Aktivität angeht, also das Aufstehen und notfalls auch hinsetzen. Aber diese Abstimmungen machen durchaus sinn. Wir haben keine neutralen Medien ausser den lokal „bekannten“ wie Kontext, cams21 oder auch flügel tv. Diese Umfragen und Abstimmungen verfehlen Ihre mediale Wirkung nicht. Ich beobachte immer auch die Kommentare in den Artikeln der online Medien und muss einen langsamen Wandel feststellen. Immer mehr Leute wollen diesen Unfug nicht mehr. Gerade die Umfrage, die aufzeigt das die Mehrheit nicht mehr hinter diesem Unsinn steht, hat einiges bewirkt. Ich weiß nicht ob sich Campact vorgestellt hat das innerhalb von 8 bis 10 Stunden 50000 Unterschriften zustande kommen. Tendenz weiter ansteigend. Das ist die Öffentlichkeitsarbeit die über die Grenzen von Baden Württemberg hinausgehen. Und man muss schon zugeben das dies auch für uns lokal nicht nur eine Motivation ist, sondern auch der erforderliche Rückhalt. Quasi der Wählerauftrag für den Protest 😉

    1. Ich habe nicht bestritten das es diese Wirkung gibt im Gegenteil ich habe es erwähnt als PR-Effekte die man nutzen muß – aber es gibt auch die klare Wirkungen die ich darstelle. Das erkennt jeder der länger dabei ist – viele Ruhen sich auf solchen Zahlen aus. Sie machen sich was vor damit – bestes Beispiel ist dieser komische „wir sind über 30.000 Parkschützer“ Wahn der enorm viele geblendet und demotiviert hat. Es dauerte Monate bis Jahre bis dieser komische lähmende Mythos gebrochen war.

      1. Du weißt aber schon wie schwierig es ist über so lange Zeit die Leute zu motivieren weiter auf die Straße zu gehen. Ich denke da dürfte Stuttgart einen Rekord inne haben. Für mich persönlich sind diese 100000 Unterschriften eine Motivation und ein Rückhalt weiter auf die Straße zu gehen. Zwischendurch konnte man schon an den eigenen Zielen zweifeln. Diese müssten ausgeräumt sein durch die Umfrage und diese Unterschriftensammlung. Wer weiß, ob das nicht auch andere motiviert wieder mit zu machen oder überhaupt mit zu machen. Sind doch auch ehemalige Befürworter jederzeit willkommen.

  2. Ja, es ist ungemein wichtig, auf die Straße zu gehen. Keinesfalls darf ein Online-Appell zu einer Art Ersatzhandlung werden.

    Bei Appellen von Campact hängen Straße und Appell immer zusammen: Die Unterschriften „legitimiert“ eine Aktion auf der Straße & die Aktion (in diesem Fall vor Beginn der AR-Sitzung kommende Woche in Berlin) bringt die Unterschriften in die Öffentlichkeit.

    Ein reiner Online-Appell, der nicht in ein weitergehendes Konzept eingebettet ist, ist ziemlich wirkungslos.

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