Im Rahmen des völlig überteuerten Infrastruktur-Projektes „Stuttgart 21“ das heute nicht mal mehr die Stadt bezahlen will (link), wurde dem großen Ziel über die Jahre (zu) vieles geopfert, darunter auch der Fitz-Faller-Brunnen, welcher zur Bundesgartenschau 1961 im Mittleren Schlossgarten aufgebaut wurde. Nun, im Jahr 2025, tauchte bei der Württembergischen Landesbibliothek wieder etwas auf, was so genannt wird – aber ist das wirklich noch „der“ Fitz-Faller-Brunnen, wie ihn die Leute über 50 Jahre lang kannten und lieben lernten?
Betrachten wir einmal im direkten visuellen Vergleich, was als „Fitz-Faller-Brunnen“ bis 2012 öffentlich zugänglich im Mittleren Schlossgarten stand und dem was heute auf dem Gelände der Bibliothek steht.


Die ursprüngliche Version des Brunnens bestand aus stehenden Stahlrohren, die Wasser auf große, rechteckige, horizontal ausgerichtete Bronzeplatten transportierten, welches dann über die Kanten in verschieden dicken und dünnen Wasserschleiern in drei darunter liegende, runde Wasserbecken fiel. Dadurch, dass die Platten unterschiedliche Höhen hatten, verteilte sich das Wasser unterschiedlich stark. Zudem waren die Platten unterschiedlich stark geneigt, und die „Quelle“ des Wassers war bei jeder Platte unterschiedlich konzentrisch angeordnet was die jeweilige Wassermenge an den jeweiligen Kanten beeinflusste. Zudem wurde letztlich beim Fall das Wasser vom Wind beeinflusst.
Die Platten waren zudem so gestaltet, dass ständig Wasser auch unter ihnen entlanglaufen konnte. Dort bildeten sich im Zusammenspiel von Luft, Material (Bronze) und Wasser über die Jahrzehnte organische Muster der Verwitterung, und ähnlich wie in einer Tropfsteinhöhle entstanden bunte Versinterungs-schichten.
Das Konzept spielte also damit, dass auch die Naturelemente eine wichtige Rolle spielten: das Wasser durch seine Oberflächenspannung, das Material durch seine chemischen Eigenheiten, die Luft/Sauerstoff mit ihrem Einfluss über die Zeit auf die Verwitterung sowie auch der Wind, der sich auf das fallende Wasser auswirkte.
Was davon findet sich nun im „“ wieder? Die stehenden Rohre wurden ersetzt, die Platten ersetzt bzw. aus 22 dicken Platten wurden 15 dünne Bleche (aus Kupfer?), die zudem am Rand so ausgebildet sind, dass ein Unterlaufen der Platten mit Wasser dauerhaft verhindert wird. Die Becken wurden von drei runden Becken, die formal einen Kontrast zwischen eckigen Platten und rundem Becken herstellten, in ein einzelnes großes eckiges Becken verändert.
Mein persönlicher Eindruck ist: Der Brunnen im Mittleren Schlossgarten lebte davon, dass er in einer besonderen, unwiederbringlichen Umgebung stand. Man konnte denken, dass er sich in das Umfeld der riesigen Bäume natürlich ins Bild einfügte – als wäre es ein Feld aus Pilzen, die in einem Wald stehen. Der Kontrast von runden Becken und eckigen Platten, welche sich über das Wasser verbanden, war einzigartig.
Manchmal finden sich unter Bäumen sogenannte „Hexenringe“ aus Pilzen im Gras – dieser Brunnen erinnerte mich immer daran. Die Natur durfte zudem ihren Einfluss auf dieses Kunstwerk ausüben – nicht nur durch den Wind, sondern auch durch die Versinterungen, welche den meisten Leuten gar nicht auffielen, sondern nur wirklich Interessierten ins Auge fielen.
Das, was daraus nun wurde, hat für mich nichts mehr mit diesem Brunnen zu tun. Für mich wurde er unwiederbringlich zerstört – eigentlich schon, als man beim Abriss die Becken nicht erhielt und die Platten selbst über zehn Jahre im Freien herumliegen ließ. Dann veränderte man die Plattenform (und ich glaube auch das Material, denn es scheint mir, dass es jetzt Kupfer ist) sowie die Beckenform so entscheidend und stellte dieses Konstrukt zudem in eine Betonwüste, auf einen baumlosen, unnatürlichen Platz. Der einzige Natürliche Einfluss der hier noch gestattet wird ist vom glühend heißen Innenstadtwind der von der Sonne aufgeheizt das Wasser bewegt.
Das hat für mich keinerlei Bezug mehr zu dem Brunnen, den ich aus dem Mittleren Schlossgarten kannte.
Nun könnte man sich fragen – was sagt eigentlich der Denkmalschutz dazu wenn ein so altes Kunstwerk einfach so in dieser Tiefe verändert wird. Gibt es sowas in Stuttgart überhaupt noch? Ist das überhaupt ein Fall für einen Denkmalschutz wenn nahezu alles neu erstellt wurde (ausser das dieser dann eben genau diese Zerstörung verhindern müsste) und nur noch die grobe Form an das faktisch zerstörte Werk erinnert?
Was dachten sich Hanspeter Fitz und Peter Faller bei der Erstellung eigentlich dabei?
In der Zeitschrift „Das Werk : Architektur und Kunst = L’oeuvre : architecture et art“ 62/1962 schreibt Heinz Keller darüber folgendes: „Nach den – zugleich umfangreicheren ersten Projekten des Künstlers hätte den Prismen ein rektanguläres Becken- und Stufensystem geantwortet. Das Wasser wäre in rechteckige Bassins als Negativformen gefallen, denen als Positivformen große begehbare Platten entsprochen hätten; von Wasser überspülte Stufen hätten vermittelt. Damit wäre der Charakter der Anlage als einer großen Architektur aus Wasser noch deutlicher geworden. Vor allem hätte auch die räumliche Verzahnung in sich und mit der Weite des Parks bis hinüber zum Turm des Hauptbahnhofs klarer gesprochen. Vielleicht läßt sich dieser Gedanke einmal anderswo verwirklichen.“ (Quelle mit großem Dank an „Basso Continuo„)
Wenn man das so liest könnte man meinen das mit der jetzigen Veränderung die ursprüngliche Idee wieder aufgegriffen werden sollte, doch würde man dies nicht dann eben genauso kommunizieren?
( Alexander Schäfer auf schaeferweltweit.de )































































