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Liste der Ausnahmeregelungen für S21 / Neubaustrecke

Gastartikel von Diplom-Geologe Dr. Ralf Laternser

Nicht mehr ganz aktuell aber bei den ständigen Umplanungen ist es schwierig nachzukommen. Die Liste zeigt aber prinzipiell vor allem den enormen Umfang der Ausnahmen!

Geschickt eingeflickter Absolutionsparagraph. Je größer das „Wohl der Allgemeinheit“ desto mehr Ausnahmegenehmigungen

Befreiungen von der Heilquellenschutzverordnung Stuttgart 21
„Für nachfolgend aufgeführte Verbotstatbestände wird die Befreiung von der Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart zum Schutz der staatlich anerkanntenHeilquellen von Stuttgart-Bad Cannstatt und –Berg vom 11.06.2002
(Heilquellenschutzverordnung) erteilt“
PFA 1.1 S.24

1 Düker Nesenbach, Tunnelbauwerk im Bereich der Hochscholle
§ 4 Abs. 4 flächenhafter Eingriff in die Grundgips-Schichten, moDruckspiegel wird hierbei unterschritten

2 DB-Tunnel, Stadtbahnverlegung Heilbronner Straße, Verlegung Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie, Dükerbauwerke, Technikgebäude, nördliches Bahnhofsgebäude § 4 Abs. 8 beantragte effektive Grundwasserentnahme von 0,5 Mio. m³ für die Dauer von 7 Jahren und mit einer durchschnittl. Entnahmerate von 2,3l/s

3 Stadtbahnverlegung Haltestelle Staatsgalerie, Achse 31
§ 4 Abs. 8 Entnahme von Grundwasser mit einer Dauer > 6 Monate

4 Stadtbahnverlegung Haltestelle Staatsgalerie, Achse 32/33
§ 4 Abs. 8 Entnahme von Grundwasser mit einer Dauer > 6 Monate

5 Stadtbahnverlegung Haltestelle Staatsgalerie, Achse 34
§ 4 Abs. 8 Entnahme von Grundwasser mit einer Dauer > 6 Monate

6 Nesenbachoberhaupt § 5 Abs. 2 flächenhafter Eingriff unter die Basis der quartären Ablagerungen

7 Nesenbachdüker, bergmännischer Tunnel im Bereich der tektonischen Hochscholle (Bereich Schillerstraße)
§ 5 Abs. 2 flächenhafter Eingriff unter die Basis der quartären Ablagerungen

8 Stadtbahnverlegung Haltestelle Staatsgalerie, Achse 32
§ 5 Abs. 2 flächenhafter Eingriff unter die Basis der quartären Ablagerungen

9 Nesenbachoberhaupt § 5 Abs. 3 Entnahme von Grundwasser bis 228 m ü NN § 8 Abs. 3 und 4 Wohle der Algemeinheit

10 Düker Nesenbach, Anschluss an Bestand im Bereich Königin-Katharina-Stift § 5 Abs. 3 Entnahme von Grundwasser
§ 8 Abs. 3 und 4 Wohle der Allgemeinheit

11 Stadtbahnverlegung Haltestelle Staatsgalerie, Achse 31 § 5 Abs. 3 Entnahme von Grundwasser
§ 8 Abs. 3 und 4 Wohle der Algemeinheit

12 Stadtbahnverlegung Haltestelle Staatsgalerie, Achse 32/33
§ 5 Abs. 3 Entnahme von Grundwasser § 8 Abs. 3 und 4 Wohle der
Allgemeinheit

13 Stadtbahnverlegung Haltestelle Staatsgalerie, Achse 34
§ 5 Abs. 3 Entnahme von Grundwasser § 8 Abs. 3 und 4 Wohle der
Algemeinheit

14 Stadtbahnverlegung Haltestelle Staatsgalerie, Achse 34
§ 5 Abs. 4 Freilegen von Grundwasser in einer Fläche von > 500 m² § 8 Abs. 3 und 4 Wohle der Allgemeinheit

Auszug – PFA 1.1; S.346:
In der Innenzone sind die Verbote des § 4 Abs. 4 und 8 der Verordnung betroffen, da im Bereich der Talquerung über die gesamte Bauzeit hinweg zeitlich versetzt, aber deutlich über der zulässigen Dauer von 6 Monaten liegend und oberhalb der zulässigen Entnahmeraten und Gesamtfördermengen Grundwasser aus Schichten oberhalb des Unterkeupers entnommen wird.
Die Kernzone wird zwar nur am Rande tangiert (Umbau Stadtbahn unter der Schillerstraße und vor allem der Düker des Nesenbachkanals), die Eingriffe erfüllen jedoch die Verbotstatbestände des § 5 Abs. 2 bis 4 der Verordnung.
Die erforderlichen Befreiungen können erteilt werden da die Voraussetzungen des § 8 Abs. 3 und 4 der Verordnung erfüllt sind. Das Vorhaben ist von überwiegendem öffentlichen Interesse, wie bereits mehrfach ausgeführt, damit erfordern Gründe des Wohls der Allgemeinheit die Abweichungen. Alternativen zum Gesamtprojekt sind aus überwiegenden anderen Gründen nicht vorzugswürdig. Alternative Bauverfahren wurden ausführlich diskutiert und eingehend wasserwirtschaftlich bewertet.
Insbesondere die Verlegung des Nesenbachkanals als Düker in geologischen Schichten, die knapp an die Mineralwasser führende Schicht des Lettenkeupers heranreichen, ist bautechnisch sorgfältig abzuwickeln. Streckenweise verbleibt nur eine geringe Überdeckung über dem Lettenkeuper. Das Mineralwasser steht auch hier unter Druck an und es ist über poröse Strukturen ein Aufbrechen der verbleibenden Deckschicht nicht auszuschließen. Ein Ausströmen des Mineralwassers ist daher zu besorgen, das den Quellen in Bad Cannstatt und Berg gegebenenfalls für einen ordnungsgemäßen Bäderbetrieb fehlen würde.

PFA 1.2 S.19
Tunnelbauwerke
15 Fildertunnel, nördliches Tunnelportal/

Anfahrbereich
§ 4 Abs. 8 beantragte GrundwasserEntnahmerate von 2,0 – 5,0 l/s für die Dauer von 4 Jahren PFA 1.5 ; S.

16 Eisenbahnbrücke Neckar (bezogen auf Achse 322) § 5 Abs. 2 flächenhafte Eingriffe unter Basis Quartär

17 Eisenbahnbrücke Neckar (bezogen auf Achse 322)
§ 5 Abs. 3 Entnehmen,Zutagefördern und Ableiten von Grundwasser

18 Eisenbahnbrücke Neckar (bezogen auf Achse 322)
§ 5 Abs. 4 Freilegen von Grundwasser in einer Fläche
von > 500 m2

19 Pumpenschacht unter Tunnelsohle Achse 322
§4 Abs. 4 flächenhafter Eingriff in km1GG unterhalb  moDruckspiegel 20 Ver/Entsorgungsleitungen unter Tunnelsohle, Achse 331/332 incl. Start und Zielschacht §4 Abs. 4 flächenhafter Eingriff in km1GG unterhalb moDruckspiegel

21 Fernbahnzuführung Bad Cannstatt, Achse 136
§4 Abs.8 Dauer der GWEntnahme > 6 Monate, Entnahmerate
> 2 l/s, Gesamtfördermenge >32.000 m3

22 Fernbahnzuführung Bad Cannstatt,Achse 176 §4 Abs.8
23 S-Bahn-Anbindung Bad Cannstatt,Achsen 321/322 §4 Abs.8
24 S-Bahn-Anbindung Stuttgart-Nord,Achsen 311/312 §4 Abs.8
25 S-Bahn-Anbindung Hauptbahnhof,Achsen 331/332/333 §4 Abs.8
Auszug – PFA 1.5 , S.362:Die erforderlichen Befreiungen können erteilt werden, da die Voraussetzungen des § 8 Abs. 3 und 4 der Verordnung erfüllt sind. Das Vorhaben ist von überwiegendem öffentlichen Interesse, wie bereits mehrfach ausgeführt, damit erfordern Gründe des Wohls der Allgemeinheit die Abweichungen.
Alternativen zum Gesamtprojekt sind aus überwiegenden anderen Gründen nicht vorzugswürdig.Alternative Bauverfahren wurden im AWW ausführlich diskutiert und eingehend wasserwirtschaftlich bewertet. Die gewählte Vorgehensweise entspricht im Ergebnis den getroffenen Absprachen.

( Diplom-Geologe Dr. Ralf Laternser auf schaeferweltweit.de )

Vernichtende Analyse für das geplante GWM von S21

von Dr. Ralf Laternser
Gutachter des BUND erstellt vernichtende Analyse für das geplante Grundwasser-Mangement der Deutsche Bahn AG für Stuttgart 21
Am Tage vor der (inhaltlich völlig ungenügenden) Fortsetzung der Erörterungsverhandlung des Regierungspräsidums Stuttgart zur beantragten (letzendlich unbegrenzten) Erhöhung der Grundwasserentnahmemengen durch die Deutsche Bahn AG für Stuttgart 21 bringt Geologie21 folgende Einstimmung zum Thema.

Nach dem „überraschenden“ Mehr an Grundwasser, das für Stuttgart 21 über Jahre kostenintensiv abgepumpt, umgewälzt und aus Sicherheitgründen (Gebäudesicherheit, Mineralwasser-Quellen) wieder in den Untergrund eingepresst werden soll (sog. Grundwasser-Mangement) kam es beim ersten Erörterungstermin im September 2013 zu einem heftigen fachlichen Schlagabtausch der Fachleute von Bahn und Land – und dem Sachverständigen des BUND Dr. Lueger. Hierauf fand in der Zwischenzeit ein Austausch der Argumente über das Regierungspräsidum Stuttgart in Form von Stellungnahmen statt, deren Inhalt auf den Seiten der Behörde nun veröffentlicht wurde [LINK].

Hier die abschließende Zusammenfassung der Erwiderung von Dr. Lueger auf die, der öffentlichen Erörterung nachfolgenden Stellungsnahme der Bahn AG bezüglich der in der Erörterungsverhandlung erhobenen, grundsätzlichen Kritikpunkte von Dr. Lueger:

Zusammenfassung:

„Die Herleitung des Einflusses von Hochwässern auf den Neckarwasserspiegel im Modell ist nicht nachvollziehbar und nicht überprüfbar.

Die Vorgangsweise bei der Modellierung des Austauschs zwischen Grund? und Oberflächen mittels Leakage-Koeffizienten führt zu Werten, welche grundsätzlich nicht nachvollzogen oder überprüft werden können. Sie haben keine Entsprechung in der Wirklichkeit, sind frei erfunden und in wissenschaftstheoretscher Hinsicht metaphysisch. Diese Aussage gilt auch für den ohne Bezug auf Messungen modellierten Zufluss aus dem Grundwasser in die Kanäle. Der als „Drainagerandbedingung“ modellierte Grundwasserzufluss zu den Kanälen beruht auf einem logischen Fehler (Zirkelschluss!) und auf Leakagefaktoren, die in der angewendeten Form metaphysisch sind.

Die instationären Wasserbilanzen für den Muschelkalk und das Festpotenzial Feuerbach zeigen nahezu durchgehend gegenläufige Zu- und Abflüsse. Ein solches Fließverhalten erscheint unplausibel und ist möglicherweise ein Artefakt der Modellierung. Eine Kalibrierung oder Überprüfung der Grundwasserneubildung ist aufgrund der angewendeten Methodik („Speicherzellenmodell“) nicht möglich. Die Nachbildung der vertikalen Grundwasserbewegungen erfolgt anhand von „Leakagefaktoren“ , welche in der modellierten Form grundsätzlich nicht nachvollzogen oder überprüft werden können. Sie haben keine Entsprechung in der Wirklichkeit und sind in wissenschaftstheoretischer Hinsicht metaphysisch.

Der sogenannte Langzeitpumpversuch wurde vor Erreichen eines stationären Strömungszustandes beendet. Er fand unter irregulären Bedingungen (starke Luftdruckschwankungen, nicht näher beschriebene „Sekundärbeeinflussungen“) statt, was eine regelrechte Auswertung verhinderte. Der Versuch wurde vor Erreichen aussagekräftiger Ergebnisse abgebrochen Die modelltechnische Nachbildung des Langzeitpumpversuchs erfolgte anhand stationärer mittlerer hydrologischer Verhältnisse, obwohl aktuelle Daten über den instationären Systemzustand zur Verfügung standen. Aus diesem Grund konnten nur die Veränderungen der Grundwasserstände und Quellschüttungen, nicht aber deren Absolutwerte beurteilt werden. Eine nachträgliche Nachbildung des Pumpversuchs ist möglich und zu fordern, weil die Daten des instationären Systemzustands vorliegen. Die berechneten Grundwasserstandsänderungen weichen an den Messstellen der Gemeinsamen Datenbasis um durchschnittlich 91% von den gemessenen ab. An den Berger Quellen wurden die definierten Genauigkeitsanforderungen verfehlt. Die Quellschüttungsrückgänge wurden unter „Berücksichtigung einer Sekundärbeeinflussung“ kleiner angegeben, als tatsächlich gemessen. Rückschlüsse auf die baubedingten Quellschüttungsminderungen sind aufgrund dieser Pumpversuchsergebnisse nicht möglich.

Dem Modell liegen auf allen Ebenen zahlreiche tatsachenwidrige und unrealistische Eingangsdaten zugrunde.Schon allein aus diesem Grund ist das Modell unbrauchbar und nicht in der Lage, die Auswirkungen der baubedingten Maßnahmen zutreffend vorherzusagen.

Die hydrologischen Eigenschaften der geologischen Störungen sind den Modellbearbeitern bisher nicht bekannt und haben in das Modell keinen Eingang gefunden. Störungen und Dolinen wurden im Modell nicht adäquat berücksichtigt.Die Verfasser der kup?Stellungnahme verstehen offenbar unter den Begriffen „Sensitivitätsanalyse“, „Sensitivitätsstudie“ etc. etwas anderes als das DVGW?Arbeitsblatt W 107. Die angeführten Maßnahmen erfüllen nicht die im DVGW?Arbeitsblatt W 107, Pkt. 7.2.5 Verifikation (Validierung) gestellten Anforderungen. Das Behördenmodell ist nicht nach dem Stand der Technik validiert.

Die Voraussetzungen für einen Verzicht auf eine Validierung gemäß DVGW?Arbeitsblatt W107, Pkt. 7.2.5, sind nicht gegeben. An einer überwiegenden Anzahl der Grundwassermessstellen und Quellen im gesamten Modellgebiet erfüllen die Modellergebnisse die geltenden Genauigkeitsanforderungen nicht. Der Versuch der Verfasser der kup?Stellungnahme, die definierten Genauigkeitsanforderungen nachträglich zu relativieren und durch andere, nicht näher bezeichnete Qualitätsmaßstäbe zu ersetzen, ist als Eingeständnis des Scheiterns zu werten.

Aufgrund unrichtiger Modellannahmen und Eingangsdaten sowie der daraus resultierenden vielfachen Nicht?Erfüllung der Genauigkeitsanforderungen ist auch die Prognosefähigkeit des Modells nicht gegeben. Angesichts der teils massiven Diskrepanzen zwischen dem Modell des Vorhabensträgers und dem „Behördenmodell“ steht die Aussagekraft der Prognosen insgesamt in Frage. Sie können keinesfalls als belastbare Grundlage für das geplante Grundwassermanagement angesehen werden. Das Behördenmodell ist zur Prüfung des Modells des Vorhabensträgers unbrauchbar.“

Dr. Josef Lueger

( Alexander Schäfer auf schaeferweltweit.de )

Zusammenfassung einiger Risiken bei S21

Zusammenfassung von FlügelTV
Sprecher zu verschiedenen Themen (längst nicht alle Risiken):
Dr. Ralf Laternser (Geologie 21), Christoph Engelhardt (WikiReal), Gangolf Stocker (SöS), Dipl.-Ing. Hans Heydemann (Ingenieure 22), Dr. Karlheinz Rössler (Vieregg&Rössler), Egon Hopfenzitz (Bahnhofsvorstand a.D.)

Vorschlag – Singing Tree auf dem Monte Scherbelino

Tja da geht sie dahin die 7. Planänderung (Kommentar von Dr. Ralf Laternser – Diplom-Geologe) vom best geplanten Grundwassermanagement aller Zeiten.
Kommentar dazu von Matthias von Hermann.

Mein praktischer Vorschlag zur Verwendung der bisher hingepfuschten (auch aktuell irrsinniger weise noch täglich weitergemurksten!) Rohre am Beispiel des Singing Ringing Tree

Einen Stuttgarter Singing Tree auf dem Monte Scherbelino! Dieser Berg ist für die Stuttgarter von besonderer Bedeutung (siehe auch im Link) den dort auf dem Birkenkopf wurde nach dem Krieg ein großer Teil Stuttgarts entsorgt. Heute noch mahnt der Berg mit seinen Fassadenresten, und erinnert an die Zerstörungen der damaligen Zeit. Welcher Ort wäre also besser geeignet die sinnlos verbauten Rost-Rohre aufzunehmen und dazu noch in einem „singenden Baum“!

Hier wäre die Gelegenheit, wirklich Sinnvolle Kunst zu erstellen, nicht diese verlogene geschmacklose Schändung der Parkbäume wie sie von Stadt Land und Bahn vorgesehen ist.

( Alexander Schäfer auf schaeferweltweit.de )

Bewohner des Kernerviertels fordern umfassende Riskenaufklärung über das Grundwassermanagement

Stuttgart, 1. Juli 2012

In der öffentlichen Berichterstattung zum Planänderungsantrag der DB AG (Erhöhung der Grundwasserentnahmemenge) spielen bisher die damit für das Kernerviertel verbundenen Risiken keine Rolle. Daher wendet sich das Netzwerk Kernerviertel, eine Initiative von Anwohnern und Eigentümern, mit einer Presseerklärung an die Öffentlichkeit:

Das Grundwassermanagement zum Bau des Tiefbahnhofes ist immer noch nicht genehmigt. Neue Erkenntnisse aus Grundwasseruntersuchungen haben gezeigt, dass Bewohner des Kernerviertels fordern umfassende Riskenaufklärung über das Grundwassermanagement weiterlesen