Techtalk – Das Fairphone 2

IMG_4283In der heutigen Zeit wurde das Handy oder auch Smartphonen mehr und mehr zum Wegwerf-Artikel. Möglichst billig und immer Neu – Größer – Schneller – Lauter beinah ein „muß“. Mobiltelefonverträge welche auf meist zweijährigen Austausch von Telefonen ausgerichtet sind unterstützen seit Jahren diese Entwicklung. Dabei ist klar das es heuzutage kaum möglich ist die Rohstoffe (speziell Metalle wie Coltan, Cobald oder Zinn) für diese Geräte ohne die Unterstützung fragwürdiger Arbeitsbedingungen in den Herstellerbetrieben zu beschaffen. Indirekt unterstützt man damit sogar Warlords und damit deren Armeen und Bürgerkriege. Neben Unmengen von Müll sollte also auch aus diesen Gründen vermieden werden ständig neue Geräte zu kaufen (oder mit Verträgen anzunehmen). Genau hier setzt die Idee hinter „Fairphone“ an.

IMG_4271
Modulbauweise des Gerätes ist leicht erkennbar.

Das Projekt Fairphone stammt aus der gemeinnützigen Waag Society, einem Forschungsinstitut in Amsterdam. Die derzeit ca. 40 Mitarbeiter versuchen auf die Probleme bei Mobiltelefonen aufmerksam zu machen. Neben dem Versuch so Fair wie möglich Herzustellen setzt Fairphone mit seinem neuesten Modell aber auch auf Langlebigkeit und Reparatur sowie Updatemöglichkeiten. Damit setzt Fairphone in vielen Punkten Denkanstöße die hoffentlich Schule machen. In derheutigen Zeit geht dies aber natürlich meist erst wenn die Kunden ihre Denk- und Handlungsweise verändern. 

IMG_4282
Selbst der Standby-Bildschirm ist nicht wie jeder andere sondern regt zum Nachdenken an …

Nicht nur der Akku ist beim Fairphone (2) austauschbar – nein fast alle wichtigen Teile des Telefons können einzeln selbst getauscht werden! Dazu braucht man auch keinen „Spezialhändler“ oder besondere Werkzeuge – es genügen wenige einfache Arbeitsschritte um das Mobilteil zu zerlegen. Es lässt sich also in Zukunft auch mal nur die Kamera erneuern oder auch mal der Teil austauschen welcher durch das ständige einstecken des Ladekabels oder der Kopfhörer gelitten hat. Das Display kann auch auf einfachste Weise ersetzt werden. Das Ladekabel ist kein teures spezialkabel nein es ist ein einfaches USB Kabel! Und selbst das wird nicht neu geliefert sondern so ein Kabel hat man meist schon zu Hause daher kommt es gar nicht erst neu mit! Müllvermeidung durch Haltbarkeit, lange Wartung, günstige Reparaturmöglichkeit, Dual-SIM-Fähigkeit und ein Recycling-Programm bei der Herstellung runden alles ab.

Klar muß einem aber auch sein, dass so ein Handy nicht für 0 Euro oder vergleichbares (mit genannten Verträgen) zu haben sein kann. Gerade auch aus den genannten Gründen ist Fairphone nicht vergleichbar mit anderen Mobiltelefonen. Auch die allgemeine Leistung liegt zwar im Guten (Ausreichenden!) aber nicht im Konkurenzfähigen Top-Hightec-Bereich der Marktführer. (Dazu lassen sich aber mittlerweile auch viele Testberichte im Web finden) Verschweigen möchte ich auch nicht das die Software vom Fairphone 2 diverse teils auch ziemlich lästige Fehler aufweist. Man wartet auch auf sein Telefon einige Monate nach der Bestellung – ebenso hat sich bereits beim Fairphone 1 gezeigt das Ersatzteile durchaus mal länger auf sich warten lassen. Aber auch das alles ist eigentlich verständlich wenn man bedenkt, dass hinter der Idee nicht sehr viele Mitarbeiter und kein Großkonzern (mit all seinen Nachteilen!) steckt.

IMG_4265

Was man aber auch sieht: Selbst die Jahre alten ersten Fairphones sind heute noch zeimlich Preisstabil. Gebrauchtgeräte gehen zu relativ hohen Preisen über den Tisch. Was kann mehr für die Idee der Nachhaltigkeit sprechen als dies? Die Geräte sind so begehrt und robust, dass man sie später nicht weg wirft sondern weiter verwendet! Verbunden mit der Modularen Austauschbarkkeit des Fairphone 2 – ein druchaus interessantes Konzept wenn man mal neue Wege gehen will. Ich hoffe ich konnte das Interesse wecken. 

IMG_5437
Fairphone 2 mit transparentem Cover

PS Nein dies ist kein gesponserter Artikel sondern nur meine Meinung.

( Alexander Schäfer auf schaeferweltweit.de )