Ein Spaziergang durch die Caricatura in Frankfurt ist weit mehr als ein Museumsbesuch – es ist eine Reise durch den Geist und Witz von Martin Perscheid, einem der scharfsinnigsten Cartoonisten Deutschlands. Zwischen Originalzeichnungen und Drucken entsteht das Porträt eines Mannes, der mit feinem Strich und klugem Blick das Menschliche sezierte – abgründig und immer treffend.
Wer sich Zeit nimmt, erkennt den Zauber im Detail. Viele Zeichnungen sind die originalen Bleistiftskizzen aus denen später ein Cartoon entstand. Sie zeigen, wie Ideen wuchsen, sich verwandelten und schließlich zum typischen Perscheid-Meisterwerk reiften.
So begegnet man alten Bekannten – etwa Jürgen, diesem etwas überforderten Durchschnittstypen, der mit stoischer Ruhe die Absurditäten des Alltags überlebt. Zwischen den Zeichnungen blitzen Perscheids Ironie und Empathie auf: scharfer Witz, gepaart mit leiser Menschenfreundlichkeit.
Neben den bekannten Werken finden sich aber auch Erstveröffentlichungen, zb. unter dem Titel „Gretas Brüder“ sind Cartoons zu finden, die nie in großem Stil veröffentlicht wurden – kleine Nebenwege seines Schaffens, die den Blick hinter die Kulissen erlauben. Daneben liegt ein ganzer Stapel loser Seiten, dem Storyboard zu „Planet Wurst“, einer witzigen Kurzfilmidee, in der Jürgen durch seine eigene Welt stolpert und einige kleine Geschichten erlebt. der geneigte Fan erkennt in diesen auch bisher nie veröffentlichten Zeichnungen allerdings direkt Cartoons die später dann einzeln Realität wurden. Der Film wurde aber wohl nie fertig gestellt.
Doch Martin Perscheid war nicht nur Zeichner. Zwischen seinen Cartoons (314 in der Hauptausstellung!) werden wie nebensächlich ein paar wenige seiner selbstgebauten Objekte präsentiert. Leider geht auch unter das dies wirklich selbst gebauten Modelle sind, selten nur weisen Schilder darauf hin. Besonders zieht das ferngesteuerte Ruderboot die Aufmerksamkeit auf sich, in dem natürlich niemand anderes sitzt als Jürgen selbst, emsig am Rudern. Das Modell ist von Grund auf selbst gebaut und die Ruder sind mit einer Fernsteuerung versehen. (hier ein anderes Modell welches er mMn Zeitlich vor diesem jetzt ausgestellten Modell als Test der Menchanik/Steuerung gebaut wurde und Martin selbst hier beschrieb und aufzeichnete)
Gleich nebenan steht eine „Pusteblume“, die Perscheid seiner Frau schenkte – ein Beweis, dass seine Kreativität weit über die Zeichnungen hinausging. Ergänzt wird dieser Teil der Ausstellung durch seine mit Hingabe restaurierte Honda CB 450 aus dem Jahr 1966 und seine E-Gitarre, die vermutlich mehr Geschichten erzählen könnten als viele der Cartoons. In der Masse der Cartoons geht dann selbst sein Eigenbau des „Denkmals des unbekannten Idioten“ unter. In einer Vitrine liegen seine zahlreichen Auszeichnungen – stille Zeugnisse eines großen künstlerischen Lebenswegs der leider viel zu früh endete.
Ein
zweiter Ausstellungsteil führt hinüber ins Archäologische Museum Frankfurt, wo weitere 34 Arbeiten von Perscheid im engen Dialog mit antiken Exponaten hängen. Zwischen römischen Amphoren und Antiken Statuen trifft zeitgenössischer Witz auf jahrtausendealte Geschichte.
Diese Gegenüberstellung ist mehr als nur ein Kuriosum: Sie zeigt, dass Humor eine Konstante der Menschheit ist – die Kunst, über sich selbst zu lachen, scheint Kulturen- und epochenübergreifend zu funktionieren.
Nach so viel Inspiration lohnt sich ein Gang durch die Stadt. Frankfurt präsentiert sich an diesem Tag genau wie die Ausstellung selbst – modern, lebendig, voller Gegensätze. Zwischen Altstadt, Mainufer und Skyline wirken die Eindrücke nach, und man erwischt sich beim Gedanken, dass Perscheid all das sicher schon gezeichnet hätte: Banker am Mainufer, Touristen auf der Eisernern Steg, Tauben auf Parkbänken – das ganze absurd schöne Leben – Perscheids Abgründe. Und vielleicht, irgendwo zwischen Museum und Main, lächelt man dann selbst mit einem kleinen Stück Perscheid im Kopf während man die Karikatur in der Realität wieder entdeckt.
Für die Hardcoresammler unter euch gibt es nun auch noch eine Liste ALLER dort gezeigten Arbeiten: LINK
Siehe auch hier ein paar wenige Eindrücke aus dem Wesselinger Rathaus von der Perscheid Ausstellung im Jahr 2023
( Alexander Schäfer auf schaeferweltweit.de )













































































































































































































































